Aufklärung

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Aufklärung

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Auf|kl√§|rung ['auŐģfkl…õ:r äŇč], die; -, -en:
1. das Aufklären (1 a):
die Aufklärung des Verbrechens.
Syn.: ‚ÜĎ Aufl√∂sung, ‚ÜĎ Enth√ľllung, ‚ÜĎ L√∂sung.
2. Darlegung bestimmter Zusammenh√§nge, Belehrung, Information √ľber etwas:
die gew√ľnschte Aufkl√§rung liefern; ich gebe keine Aufkl√§rung √ľber meine Gef√ľhle.
Syn.: ‚ÜĎ Aufschluss, ‚ÜĎ Auskunft, ‚ÜĎ Einblick, ‚ÜĎ Erl√§uterung, ‚ÜĎ Information.
3. <ohne Plural> geistige Strömung, die sich gegen Aberglauben, Vorurteile und Autoritätsdenken richtet:
ein Dichter der Aufklärung.
4. Erkundung der militärischen Situation des Feindes:
die Aufklärung verstärken.

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Auf|kl√§|rung ‚Ć©f. 20‚Ć™
1. das Aufklären
2. Belehrung, Unterrichtung, bes. √ľber politische, weltanschauliche, sexuelle Fragen
3. ‚Ć©Mil.‚Ć™ Erkundung
4. Bestreben, das Denken von Vorurteilen zu befreien u. auf Vernunft zu gr√ľnden
5. ‚Ć©i.¬†e.¬†S.‚Ć™ die im Europa des 18. Jh. herrschende Bewegung zur Erneuerung von Wissenschaft u. Bildung, die gegen Willk√ľrherrschaft, religi√∂sen Aberglauben u. Unwissenheit auftrat

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Auf|klä|rung , die; -, -en:
1. <Pl. selten> völlige Klärung:
dieses Verbrechen harrt noch der restlosen A.;
das trägt nicht gerade zur A. des Missverständnisses bei.
2.
a) <Pl. selten> Darlegung, die √ľber bisher unbekannte Zusammenh√§nge aufkl√§rt, √ľber etw., jmdn. den gew√ľnschten Aufschluss gibt:
von jmdm. die gew√ľnschte A. erhalten;
um A. bitten;
b) <o. Pl.> Belehrung √ľber geschlechtliche Vorg√§nge:
die [sexuelle] A. der Jugendlichen;
c) Belehrung, Information √ľber politische o. √Ą. Fragen:
die A. der Bev√∂lkerung √ľber M√∂glichkeiten der Geburtenregelung;
A. durch Presse und Rundfunk;
d) (DDR) Agitation.
3. <o. Pl.> von Rationalismus u. Fortschrittsglauben bestimmte europäische geistige Strömung des 17. u. bes. des 18. Jahrhunderts, die sich gegen Aberglauben, Vorurteile u. Autoritätsdenken wendet:
das Zeitalter der A.;
die A. als Wegbereiterin der Französischen Revolution.
4. (Militär) Erkundung der militärischen Situation des Feindes:
taktische A.

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I
Aufklärung,
 
1) Bezeichnung f√ľr eine geistesgeschichtliche Epoche, beginnend Ende des 17. Jahrhunderts (Aufkl√§rungszeitalter); zugleich die sie pr√§gende Richtung des Denkens, die von England (¬Ľenlightenment¬ę) und Frankreich (¬Ľlumi√®res¬ę) ausgehend das europ√§ische Geistesleben bestimmte und bis ins 19. Jahrhundert wirksam war und einen Einschnitt in der Geschichte des Denkens markierte, dessen Bedeutung auch in der Gegenwart noch zu erkennen ist. Charakteristisch f√ľr das Denken der Aufkl√§rung ist ein Erkenntnisprozess, der traditions- und institutionskritisch dem Grundanliegen verpflichtet ist, dem Menschen mithilfe der Vernunft zum ¬ĽAusgang aus seiner selbstverschuldeten Unm√ľndigkeit¬ę (I. Kant) zu verhelfen.
 
¬†Grundz√ľge und Entwicklung
 
Grundlage der verschiedenen Richtungen der Aufkl√§rung ist die Vorstellung, dass die Vernunft das Wesen des Menschen darstelle, wodurch alle Menschen gleich seien (Egalitarismus) und die Vernunft als einzige und letzte Instanz bef√§higt sei, √ľber Wahrheit und Falschheit von Erkenntnissen zu entscheiden und die in ihrer Gesamtheit vern√ľnftig angelegte Welt zu erkennen (Vernunftoptimismus). Hieraus folgt eine am Modell naturwissenschaftlicher Erkenntnis orientierte Kritik an allen autorit√§tsbezogenen, irrational bestimmten Denkweisen, besonders am Weltbild des christlichen Offenbarungsglaubens, jeder Metaphysik und allem Aberglauben. Die Losl√∂sung des seiner Natur nach als gut gedachten und nur durch Entfernung von dieser Natur ¬Ľdepravierten¬ę (verderbten) Menschen aus seinen Abh√§ngigkeiten soll durch Anleitung zum freiheitlichen, autonomen Vernunftgebrauch m√∂glich werden. Durch diese R√ľckkehr zu seiner Natur werde die stete Vervollkommnung und Verwirklichung eines freiheitlichen, menschenw√ľrdigen und gl√ľcklichen Daseins in einer neuen Gesellschaft m√∂glich (Fortschrittsoptimismus).
 
Die Anfänge der Aufklärung finden sich in Ansätzen schon in Renaissance, Humanismus und in der Reformation. Sie entwickelte sich philosophisch hauptsächlich in den Systemen des Rationalismus, Empirismus, Skeptizismus und Materialismus. Unter dem Einfluss der Naturrechtslehre (H. Grotius) und des ethischen Rationalismus (B. de Spinoza) verbreitete sie sich, von Holland ausgehend, in ihrer ersten Phase in England. Hauptausprägungen waren der Empirismus (T. Hobbes, J. Locke, D. Hume), der Deismus und im weiteren Zusammenhang die Wissenschaftsmethodik von I. Newton (englische Philosophie).
 
Mitte des 18. Jahrhunderts verbreitete sich die Aufkl√§rung in Frankreich, wobei sie zugleich eine starke Politisierung und (zum Teil polemische) Radikalisierung erfuhr. Voltaire und einige andere Enzyklop√§disten (besonders P. H. d'Holbach), J. O. de Lamettrie u. a. schritten teils zu skeptischen (besonders P. Bayle), teils zu atheistischen und materialistischen Folgerungen fort (franz√∂sische Philosophie). Gewisse Gegentendenzen kamen im Sensualismus E. B. de Condillacs und im Naturalismus von J.-J. Rousseau zum Ausdruck, der die seelisch-gef√ľhlsm√§√üigen Momente st√§rker hervorhob, welche in England f√ľr A. Shaftesbury zur tragenden Erkenntnisgrundlage wurden. In Deutschland waren v. a. C. Thomasius, C. Wolff, G. E. Lessing Wegbereiter, zum Teil in popularisiertem Verst√§ndnis (besonders bei M. Mendelssohn). In erster Linie hat Kant die Philosophie der Aufkl√§rung kritisch verarbeitet.
 
 Hauptbereiche
 
Im Zusammenhang mit dem Fortschrittsgedanken der Aufkl√§rung kam es zu einer eingehenden Besch√§ftigung mit der Geschichte: Bayle begr√ľndete die Quellenkritik, umfassende Werke der Geschichtsschreibung (Hume, E. Gibbon, Voltaire) und Geschichtsphilosophie (Montesquieu, M. J. A. Condorcet, J. G. Herder) entstanden. Zum besonderen Problem wurde f√ľr Gibbon und Montesquieu der Kulturverfall.
 
Die Hauptleistungen der Aufkl√§rung liegen in dem Bereich der Rechts- und Staatslehre. Sie gr√ľndet auf dem von der Stoa und Scholastik √ľberlieferten Gedanken des Naturrechts, der in der Fr√ľhphase im 17. Jahrhundert mit der analytisch-synthetischen Methode der exakten Naturwissenschaften (G. Galilei) und des neuzeitlichen Rationalismus (R. Descartes) verkn√ľpft wurde. Die Aufkl√§rung bem√ľhte sich, den Staat gesetzm√§√üig aus den Elementen der menschlichen Natur aufzubauen (Hobbes, S. von Pufendorf). Die ¬ĽNaturgesetze¬ę des sozialen Lebens sollten im Prinzip von konfessionellen, nationalen und traditionellen Bestimmungen frei sein; sie bildeten die gemeinsame Basis f√ľr die Beendigung der konfessionellen B√ľrgerkriege und enthielten die Prinzipien des modernen V√∂lkerrechts (Grotius). An die Stelle der konstruktiven Naturrechtsbegr√ľndung des 17. Jahrhunderts setzte das 18. Jahrhundert im Anschluss an Locke die Berufung auf den ¬Ľgesunden Menschenverstand¬ę (sensus communis), so besonders Thomasius. Beiden Stufen war die √úberzeugung gemeinsam, dass die Naturrechtss√§tze von gleicher allgemeiner G√ľltigkeit und Erkennbarkeit seien wie die naturwissenschaftlichen und die mathematischen S√§tze und daher ebenso unabh√§ngig von g√∂ttlicher Offenbarung wie von staatlicher Festlegung.
 
Auf dieser Grundlage entwickelte die Aufkl√§rung Rechtsprinzipien, die f√ľr die amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung und die Franz√∂sische Revolution, in der Folgezeit auch f√ľr den Liberalismus des 19. Jahrhunderts von entscheidender Bedeutung wurden und die ihre Fruchtbarkeit bis heute bewahrt haben: Jeder Mensch ist frei geboren (Pufendorf, Rousseau); Herrschaftsverh√§ltnisse k√∂nnen nur durch ausdr√ľcklichen oder stillschweigenden Konsens der Betroffenen begr√ľndet werden; der Staat beruht auf einem urspr√ľnglichen Gesellschaftsvertrag (Vertragslehre); es gibt angeborene Menschenrechte jedes einzelnen auf Leben, Freiheit, Eigentum, Streben nach Gl√ľck, die der Staat zu sch√ľtzen hat. Sie fanden ihren Niederschlag in den amerikanischen und franz√∂sischen Menschenrechtserkl√§rungen von 1776 und 1789. Die Verfassungslehre betont besonders die Rechte des einzelnen und die sich aus ihnen ergebenden Grenzen der Staatsgewalt sowie den Gedanken der Gewaltenteilung (Locke, Montesquieu). Der Staat m√ľsse religi√∂se Toleranz √ľben (J. Milton, Pufendorf, Locke). Die Hexenprozesse und die Folter wurden abgeschafft (Thomasius, Friedrich der Gro√üe). Das √ľberm√§√üig harte Strafensystem wurde nach dem Grundsatz der Verh√§ltnisgleichheit von Verbrechen und Strafe gemildert (Montesquieu, Voltaire), die Humanisierung des Strafvollzugs eingeleitet, die Berechtigung der Todesstrafe bestritten (C. Beccaria) und die Verh√§ngung der Strafe von ihrer vorherigen Androhung durch ein geschriebenes Gesetz abh√§ngig gemacht (lateinisch ¬Ľnulla poena sine lege¬ę; Montesquieu, L. A. Feuerbach). Dies lockerte das feste Gef√ľge des absolutistischen Staates auf und f√ľhrte einige Monarchen zu Reformen (aufgekl√§rter Absolutismus).
 
Die Theologie der Aufkl√§rung suchte die Religion aus den Bindungen der Tradition zu l√∂sen und das Verh√§ltnis von Vernunft und Offenbarung neu zu bestimmen. Wesentlich war ihr die Toleranz und die Vorstellung einer vernunftgem√§√üen ¬Ľnat√ľrlichen¬ę Religion, in der die konfessionellen Grenzen bedeutungslos wurden. Voltaire schlie√ülich forderte als Folge seiner Religionskritik den allgemeinen Kampf gegen die Kirche. In der katholischen Kirche selbst wurde die Str√∂mung der Aufkl√§rung vom Modernismus und mit unterschiedlichen Zielrichtungen von J. A. M√∂hler und J. M. Sailer aufgenommen. Aus der Suche nach neuen Formen des Glaubens entwickelten sich jedoch auch Tendenzen zu einer auf individuelle ¬ĽWiedergeburt¬ę zielenden Fr√∂mmigkeit (Pietismus, Erweckungsbewegungen), die sich von den Grundanliegen der Aufkl√§rung entfernten.
 
Das Erziehungswesen stellte im Rahmen der volksbildenden Grundtendenzen ein Hauptanliegen der Aufkl√§rung dar. Sie forderte eine Erziehung zu naturgem√§√üer, nicht von √úberlieferungen, sondern von der Vernunft bestimmter sittlicher Lebensweise, die Anwendung wissenschaftlicher Verfahrensweisen auch auf die Unterrichtung in weltlichen Stoffen (Realien) und f√ľr praktische T√§tigkeiten (Realbildung, landwirtschaftliche und gewerbliche Erziehung), Ausdehnung der Erziehungsbestrebungen auf alle Volksschichten, auch auf die Frauen, sowie Weiterbildung der Erwachsenen. Diese Gedanken wurden von Rousseau, J. B. Basedow, J. H. Campe und J. H. Pestalozzi vertieft und im h√∂heren und Volksschulwesen, zum Teil in neuen Schulformen, verwirklicht. Die Bedeutung von Hygiene und F√ľrsorge wurde hervorgehoben, der Ausbau des Gesundheitswesens, speziell einer Leib und Seele umspannenden Gesundheitsf√ľrsorge (Di√§tetik), gefordert.
 
Im gesellschaftlichen Leben trat neben der h√∂fischen Kultur die b√ľrgerliche st√§rker hervor. Gegen den heiteren Lebensgenuss des Rokoko, der auch in manchen b√ľrgerlichen Kreisen Eingang gefunden hatte (Leipzig als ¬ĽKlein-Paris¬ę), wandte sich ein betonter b√ľrgerlicher Moralismus. Starken Einfluss gewannen aufkl√§rerische Geheimgesellschaften (Freimaurer, Rosenkreuzer, Illuminaten).
 
Neue Inhalte und Formen fand die Literatur der Aufkl√§rung. Sie war vorwiegend erzieherisch, kritisch, satirisch. Bezeichnend waren rational regelhaft konstruierte und lehrhafte oder humanit√§r-empfindsame Dichtungen (moralische Wochenschriften, b√ľrgerliches Trauerspiel, R√ľhrst√ľck, Idylle, b√ľrgerliche Roman, Fabel, Satire). Hinzu kam, besonders in Frankreich, die ¬Ľgalante Literatur¬ę (deutsche Literatur, englische Literatur, franz√∂sische Literatur).
 
Von einer Musik der Aufkl√§rung wird kaum gesprochen. Gleichwohl sind es Ideen der Aufkl√§rung, v. a. Begriffe wie Vernunft, Natur, Geschmack, die in den musiktheoretischen Er√∂rterungen um die Mitte des 18. Jahrhunderts der ¬ĽGek√ľnsteltheit¬ę, ¬ĽGelahrtheit¬ę und ¬ĽVerworrenheit¬ę barocker Musik entgegengestellt werden. In kompositionsgeschichtlichen, musikerzieherischen und kirchenmusikalischen Traditionsbr√ľchen, in den vorklassischen Erscheinungen wie empfindsamer Stil und galanter Stil sowie in der √§sthetischen Orientierung und Autonomisierung einer f√ľr die √Ėffentlichkeit bestimmten Musik wurden in der Aufkl√§rung die Grundsteine der b√ľrgerlichen Musikkultur gelegt.
 
In der bildenden Kunst vollzog sich zun√§chst der √úbergang vom Barock zum Rokoko: Helle Farben, heiter schwingende Linien, weltlicher Inhalte und Verweltlichung religi√∂ser Darstellungen waren kennzeichnend. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Rokoko allm√§hlich abgel√∂st durch den strengen, klare einfache Formen w√§hlenden Klassizismus, dessen oberstes k√ľnstlerisches Ziel die Nachahmung antiker Kunst war. Wie das Religi√∂se suchte man auch das K√ľnstlerische verstandesm√§√üig zu erfassen. So entstanden eine systematische Kunstkritik und als neuer Zweig der Philosophie eine systematische und selbstst√§ndige √Ąsthetik (A. G. Baumgarten).
 
 Auswirkungen
 
Seit den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts entwickelten sich aus der Aufkl√§rung neue Geistesbewegungen (Neuhumanismus, Sturm und Drang, Romantik). Darin kam der Gedanke zum Ausdruck, die Aufkl√§rung habe die Vernunft √ľberbewertet, Religion, Seele und Gef√ľhl aber zu wenig Bedeutung gegeben. Der Vernunft- und Fortschrittsoptimismus wirkte im 19. Jahrhundert fort, erfuhr aber im 20. Jahrhundert durch die Zeugnisse der Unmenschlichkeit in beiden Weltkriegen entscheidenden Abbruch; das rationalistische Menschenbild wurde sp√§testens seit der Entdeckung des Unbewussten in der Psychoanalyse infrage gestellt. Kritik fanden daneben haupts√§chlich die Unterbewertung der Tradition und die Herrschaft eines rein positivistischen Wissenschaftsbegriffs. Als bleibende Leistungen werden v. a. die Verdienste um die Entwicklung der Wissenschaft, die F√∂rderung neuer Forschungszweige (Volkswirtschaftslehre, Statistik, Soziologie, empirische Psychologie, vergleichende Kulturwissenschaft), die Humanisierung des sozialen und kulturellen Lebens, die Achtung der Menschenw√ľrde und der Gleichheit aller Menschen gesehen, die zur geistesgeschichtlichen Voraussetzung f√ľr eine Reihe gesellschaftspolitischer Entwicklungen der Gegenwart (Emanzipation, Gleichberechtigung, M√ľndigkeit) wurden.
 
Unter den in neuerer Zeit entstandenen mannigfaltigen Bezugnahmen auf aufkl√§rerischen Tendenzen ragt besonders das im Rahmen der kritischen Theorie der Frankfurter Schule entwickelte Programm einer ¬ĽZweiten Aufkl√§rung¬ę heraus, das seinen Bezug zur Aufkl√§rung vor allem aus der Absicht herleitet, den einzelnen aus heteronomen Zw√§ngen zu befreien.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Absolutismus ¬∑ Deismus ¬∑ Emanzipation ¬∑ Empfindsamkeit ¬∑ Enzyklop√§disten ¬∑ Fortschritt ¬∑ Freidenker ¬∑ Geschichtsphilosophie ¬∑ Josephinismus ¬∑ Lehrdichtung ¬∑ Materialismus ¬∑ moralische Wochenschriften ¬∑ M√ľndigkeit ¬∑ Natur ¬∑ Naturrecht ¬∑ Neuzeit ¬∑ Philanthropismus ¬∑ Positivismus ¬∑ Rationalismus ¬∑ Religionsphilosophie ¬∑ Sensualismus ¬∑ Toleranz
 
 
 
B. Groethuysen: Die Entstehung der b√ľrgerl. Welt- u. Lebensanschauung in Frankreich, 2 Bde. (1927-30; Nachdr. 1973);
 P. Hazard: Die Herrschaft der Vernunft (a. d. Frz., 1949);
 W. Roessler: Die Entstehung des modernen Erziehungswesens in Dtl. (1961);
 G. H. Franke: Das Zeitalter des Absolutismus u. der A. (41963);
 P. Gay: The enlightenment, 2 Bde. (New York 1966-69);
 J. Mittelstrass: Neuzeit u. A. (1970);
 
Zeitgeist der A., hg. v. H.-J. Schoeps (1972);
 E. Cassirer: Die Philosophie der A. (31973);
 H. Dieckmann: Studien zur europ. A. (1974);
 
Neues Hb. der Literaturwiss., Bd. 11-13: Europ. A., hg. v. W. Hinck u. a. (1974-84);
 J. Jacobs: Prosa der A. (1976);
 N. Hammerstein: A. u. kath. Reich (1977);
 F. Schalk: Studien zur frz. A. (21977);
 H.-J. Schoeps: Dt. Geistesgeschichte der Neuzeit, Bd. 3: Von der A. zur Romantik (1978);
 E. Manheim: A. u. öffentl. Meinung (1979);
¬†P. P√ľtz: Die dt. A. (21979);
 
Erforschung der dt. A., hg. v. P. P√ľtz: (1980);
 
A. u. Humanismus, hg. v. R. Toellner (1980);
 P. Kondylis: Die A. im Rahmen des neuzeitl. Rationalismus (1981);
¬†J. Habermas: Strukturwandel der √Ėffentlichkeit (151985);
 M. Horkheimer u. T. W. Adorno: Dialektik der A. (Neuausg. 1986).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
 
Geschichte: Was ist Geschichte?
 
Aufklärung: Sieg der Vernunft?
 
Frankreichs Hegemonie im 17. und 18. Jahrhundert: Europa im Zeichen der Lilie
 
Aufkl√§rung: Das franz√∂sische Theater - Vom klassischen Drama zum b√ľrgerlichen Theater
 
Aufklärung: Die Autonomie der Kunst
 
Aufklärung: Die Naturforschung
 
Aufkl√§rung: Die ¬Ľnat√ľrliche¬ę Religion
 
Aufklärung: Ihre Grundgedanken
 
Aufklärung in England
 
Aufklärung in England: Freidenker, Deisten und Liberale
 
Aufklärung und Evangelisation: Kirche in der Herausforderung
 
b√ľrgerliche Gesellschaft: Von der Aufkl√§rung zur Moderne
 
italienische Literatur: Im Spannungsfeld von Aufklärung und Klassizismus - Parini, Goldoni, Alfieri
 
Klopstock: Die religiöse Berufung des Dichters
 
 
¬†2) Milit√§rwesen: Die Aufkl√§rung dient der Feststellung der Lage beim Gegner und der Erkundung von Wetter und Gel√§nde; sie ist die Grundlage f√ľr die Entschlussfassung der F√ľhrung auf allen Ebenen und bei allen Teilstreitkr√§ften. Es wird unterschieden zwischen strategischer Aufkl√§rung, operativer Aufkl√§rung und taktischer Aufkl√§rung, f√ľr die zum Teil jeweils spezielle technische Aufkl√§rungsmittel und Aufkl√§rungskr√§fte (Aufkl√§rungstruppen) zur Verf√ľgung stehen.
 
Zur strategischen Aufkl√§rung geh√∂ren v. a. die nachrichtendienstliche T√§tigkeit auf fremdem Gebiet, die Satellitenaufkl√§rung sowie land-, see- und luftgest√ľtzte Radaraufkl√§rung (z. B. durch AWACS); die strategische Aufkl√§rung liefert schon im Frieden Erkenntnisse √ľber die gegnerische Streitkr√§fte- und Waffendisloziierung, registriert Truppenbewegungen und ist so im Krisenfall Grundlage f√ľr die Fr√ľherkennung eines gegnerischen Angriffs. Diesem Zweck dient auch die weit reichende Fernmeldeaufkl√§rung der EloKa-Verb√§nde (elektronische Kampff√ľhrung), deren Hauptaufgabe jedoch die operative Aufkl√§rung ist. Zur operativen Aufkl√§rung sind ferner zuzuordnen der Frontnachrichtendienst, der Kriegsgefangene befragt und erbeutetes Material (Dokumente, Karten u. a.) auswertet, die operative Luftaufkl√§rung (Augenbeobachtung, Bildaufkl√§rung) und die Fernsp√§haufkl√§rung.
 
Die taktische Aufkl√§rung wird wahrgenommen durch die Aufkl√§rungsysteme der Artillerie, die ebenso wie die taktische Luftaufkl√§rung das Gefechtsfeld weitr√§umig √ľberwachen, und durch die Aufkl√§rungsverb√§nde (Panzeraufkl√§rungsbataillone der Divisionen) und Aufkl√§rungsteileinheiten (Sp√§hz√ľge der Brigaden) des Heeres. √úberdies wird unmittelbare Gefechtsaufkl√§rung und Luftraum√ľberwachung durch alle Truppen mit eigenen Mitteln direkt durchgef√ľhrt.
 
 3) Pädagogik: geschlechtliche Aufklärung, Sexualpädagogik.
II
Aufklärung
 
(Sexualaufkl√§rung): hier die Information von Kindern und Jugendlichen √ľber biologisch-medizinische Tatsachen der menschlichen Sexualit√§t, bisweilen auch als Sexualkunde bezeichnet. Sie wird oft f√§lschlicherweise - zum Teil allerdings bewusst - mit Sexualerziehung gleichgesetzt, obwohl sie nur ein notwendiger Teil von Letzterer ist. W√ľnschenswert sind dabei auch Informationen √ľber psychische, soziale, ethische, religi√∂se, weltanschauliche und juristische Zusammenh√§nge.
III
Aufklärung
 
Der im 18. Jahrhundert aufgekommene Begriff ¬ĽAufkl√§rung¬ę bezeichnete die in dieser Zeit in Europa vorherrschende geistige Str√∂mung, in der die seit der Renaissance zu beobachtenden Ans√§tze zur √úberwindung des christlich gepr√§gten mittelalterlichen Weltbildes zum Durchbruch kamen. Nicht die biblisch offenbarte Wahrheit war jetzt Richtschnur der Erkenntnis und des Handelns, sondern die menschliche Vernunft. Diese stellt alle nur auf Tradition oder Autorit√§t gegr√ľndeten Meinungen, Normen, Institutionen usw. in Frage. Dabei ist zur Kritik und Gegenkritik Meinungsfreiheit und Toleranz gegen√ľber anderen Meinungen unerl√§sslich. So f√ľhrte der Kampf gegen Vorurteile und unbefragte Autorit√§ten zur Gesellschaftskritik und zu politischen Forderungen, die an den Grundfesten des absolutistischen Staates r√ľttelten. Das Vertrauen auf eine fast unbegrenzte Erkenntnisf√§higkeit des Menschen, das durch den eindrucksvollen Aufschwung der Naturwissenschaften gest√ľtzt wurde, begr√ľndete einen bis weit in unser Jahrhundert wirkenden Fortschrittsglauben. Auf dieser √úberzeugung, dass der Mensch imstande sei, seine Verh√§ltnisse zunehmend zu vervollkommnen und einem Zustand irdischer Gl√ľckseligkeit anzun√§hern, beruhte das starke Interesse der Aufkl√§rung an Erziehung und Bildung.
 
Zur Entwicklung der Aufkl√§rungsbewegung trugen die Glaubensk√§mpfe zwischen den Konfessionen und die innerkonfessionellen Streitigkeiten entscheidend bei. Neben dem Autorit√§tsverlust der gespaltenen Kirche waren aber auch positive geistige Impulse ma√ügebend: Das moderne Naturrecht, das von der Vorstellung unver√§nderlicher, den geltenden Gesetzen √ľbergeordneter ¬Ľnat√ľrlicher¬ę Rechte aller Menschen ausging, f√ľhrte Herrschaft, Regierungsformen und Gesellschaftsstrukturen nicht auf g√∂ttlichen Ursprung zur√ľck, sondern auf einen von freien und gleichen Menschen geschlossenen Gesellschaftsvertrag. In Verbindung mit den Lehren der Volkssouver√§nit√§t und des Widerstandsrechts gegen ungerechte Herrschaft bot diese Theorie den Gleichheitsforderungen des aufstrebenden B√ľrgertums eine wirksame Rechtfertigung.
 
Zu den geistigen Grundlagen der Aufkl√§rung geh√∂rt auch der Umbruch in den Naturwissenschaften, der ein neues Welt- und Menschenbild entstehen lie√ü: Die Physik erforschte den durch Naturgesetze bestimmten Aufbau der Welt; die Astronomie erkannte, dass die Erde nicht das Zentrum des Weltalls ist; die Medizin betrachtete den Menschen als Teil der Natur neben anderen Lebewesen. Damit wurde einerseits die religi√∂se Vorstellung von der Einzigartigkeit des Menschen als Krone der Sch√∂pfung ersch√ľttert, andererseits verlieh die Vernunft dem Menschen nicht nur die F√§higkeit, die Welt immer vollkommener zu erkennen, sondern sie auch zu beherrschen.
 
In Deutschland setzte die Aufkl√§rungsbewegung gegen√ľber Gro√übritannien und Frankreich mit zeitlicher Verz√∂gerung ein. Auch ging sie in ihren Forderungen nicht so weit. Kennzeichnend war die Ausbildung des aufgekl√§rten Absolutismus. Die profilierteste Auslegung erhielt die deutsche Aufkl√§rung durch den K√∂nigsberger Philosophen Immanuel Kant, der sie in einem 1783 ver√∂ffentlichten Aufsatz als ¬ĽAusgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm√ľndigkeit¬ę definierte und daran die Aufforderung anschloss: ¬ĽHabe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!¬ę

* * *

Auf|kl√§|rung, die; -, -en: 1. <Pl. selten> v√∂llige Kl√§rung: Drei Bluttaten harrten seit Jahr und Tag der A. (Noack, Prozesse 105); nun kam ihm wieder das als die Frage vor, die am dringendsten der A. bedurft h√§tte (Musil, Mann 1182); das tr√§gt nicht gerade zur A. des Missverst√§ndnisses bei. 2. a) <Pl. selten> Darlegung, die √ľber bisher unbekannte Zusammenh√§nge aufkl√§rt, √ľber etw., jmdn. den gew√ľnschten Aufschluss gibt: um A. bitten; von jmdm. die gew√ľnschte A. erhalten; seine Frau ... schien bereit, mir die ersehnte A. zu geben (Hartung, Piroschka 133); ‚ÄěSie sind mir keine A. √ľber Ihre Gef√ľhle schuldig.‚Äú (Seghers, Transit 154); b) <o. Pl.> Belehrung √ľber geschlechtliche Vorg√§nge: die [sexuelle] A. der Jugendlichen; Die Berichte an Arlecq waren exakt, farblos ..., wie aus einem Handbuch der staatlich subventionierten sexuellen A. (Fries, Weg 150); c) Belehrung, Information √ľber politische o. √§. Fragen: die A. der Bev√∂lkerung √ľber M√∂glichkeiten der Geburtenregelung; A. durch Presse und Rundfunk; d) (DDR) Agitation. 3. <o. Pl.> von Rationalismus u. Fortschrittsglauben bestimmte europ√§ische geistige Str√∂mung des 17. u. bes. des 18. Jahrhunderts, die sich gegen Aberglauben, Vorurteile u. Autorit√§tsdenken wendet: das Zeitalter der A.; die A. als Wegbereiterin der Franz√∂sischen Revolution; Dieser den Glauben an die Macht der ratio in sich aufnehmende Ideologiebegriff ist w√§hrend der ganzen A. und so auch bei Claude Adrien Helvetius ... durchgehalten (Fraenkel, Staat 137). 4. (Milit.) Erkundung der milit√§rischen Situation des Feindes: taktische A.

Universal-Lexikon. 2012.

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